Die folgende Situation dürfte wohl nur allzu bekannt sein. Ein wichtiges Projekt steht an, eine große Präsentation ist vorzubereiten, ein umfangreiches Meeting erfordert konstante Aufmerksamkeit – wir müssen in jedem dieser Fälle lang am Stück „durchhalten“ und anfangs sind wir auch noch mit voller Konzentration und Aufmerksamkeit dabei. Nach und nach spüren wir aber Ermüdung in uns aufsteigen und Langeweile Besitz von uns ergreifen. Die Motivation sinkt. Die Müdigkeit steigt. Gleichermaßen. Mindestens. Und am Ende der jeweiligen Arbeitssequenz fühlen wir uns einfach nur kaputt, mental geschlaucht und haben keinerlei Antrieb, im Anschluss noch etwas Neues anzugehen, sei es beruflicher oder privater Natur. Häufig spüren wir zusätzlich ein leises Schuldgefühl – wir haben trotz des großen Zeitaufwands den Eindruck, nicht genug geschafft zu haben. Woran liegt das? Und noch viel wichtiger: Welche Alternative gibt es?

Rhythm is the key!
Das Problem dahinter ist schnell erklärt. Unser Gehirn ist sozusagen einfach nicht dafür gemacht, mehrere Stunden am Stück derselben Aktivität nachzugehen. Zwingen wir es doch dazu, „streikt“ es irgendwann. Es hat die Eigenart, besonders die Informationen zu Beginn und am Ende einer Arbeitssequenz aufmerksam zu begleiten. In der Mitte fällt die Aufmerksamkeit recht rapide ab. Gestalten wir besagte Mitte nun sehr umfangreich und ziehen sie in die Länge, im Extremfall über Stunden, ist die Folge klar: Ein langer Zeitraum mit nur sehr begrenzter Leistungsfähigkeit entsteht. Daher empfehlen wir konkret die Rhythmisierung von Arbeit (und Präsentationen, für die dasselbe Prinzip gilt. Oder waren Sie bei der letzten mehrstündigen PowerPoint-Schlacht durchgehend aufmerksam?). Unserem Gehirn sollte etwa 20, maximal 30 Minuten am Stück dieselbe Tätigkeit „zugemutet“ werden. Anschließend sollten wir eine Pause (fünf bis zehn Minuten) einlegen oder in irgendeiner Form Abwechslung ins Spiel bringen.
Führen Sie sich an dieser Stelle ruhig einmal vor Augen, dass alles im Leben, was Energie benötigt, einem vergleichbaren Rhythmus folgt – populäre Beispiele gefällig? Unser Atemrhythmus, der Rhythmus von Tag und Nacht. Durchbrechen wir den entsprechenden Rhythmus mit Gewalt (Luft anhalten, die Nacht „durchmachen“), fehlt uns Kraft. Auch für unsere tägliche Arbeit benötigen wir diese Kraft und die Voraussetzung dafür ist rhythmisches Arbeiten.

Wie konkret geht das?
Dieses rhythmische Arbeiten kann – abhängig von der Beschäftigung – ganz unterschiedliche Formen annehmen. Geht es um den bloßen Büroalltag, empfiehlt es sich, sobald man merkt, dass die Konzentration nachlässt, einfach an einem anderen Thema zu arbeiten oder sich bewusst eine kurze Pause zu gönnen. Hier empfehlen wir besonders Bewegungsübungen. Befindet man sich in einer Schulungssituation, bietet es sich an, die Teilnehmer zumindest alle 30 Minuten einem methodischen Wechsel auszusetzen. Konkret kann man die Sozialform verändern (also vor allem Partner- oder Gruppenarbeiten einbauen) oder von einem frontal dargebotenen Vortrag zur Reflexion des soeben besprochenen Themenkomplexes übergehen. Auch ein Medienwechsel kann an dieser Stelle hilfreich sein.

Was habe ich davon?
Konzentration und Aufmerksamkeit über einen viel längeren Zeitraum sind die Folgen dieses Prinzips. Gesteigerte Effektivität und nicht zuletzt ein größerer Antrieb und erhöhte Motivation ergeben sich wiederum als Folge dessen. Und sind nicht exakt diese Dinge die Grundlagen jeglicher erfolgreicher Arbeit?